Die wahre Ökobilanz beim Hausbau

Auch beim Neubau oder der Sanierung eines Hauses oder einer Wohnung gilt die bekannte Devise „Weniger ist mehr“ – mehr Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit durch Baustoffe, die weniger Umweltwirkungen verursachen und weniger Ressourcen verbrauchen.


Gut dämmen...

Ob Neubau oder Altbau – eine gute Dämmung ist heute für viele Menschen bereits selbstverständlich. Auch der Einsatz von erneuerbaren Energieträgern wird nicht nur gefördert sondern auch gefordert.

... und gut herstellen

Aber auch die Herstellung von Baustoffen hat einen großen Einfluss auf deren gesamte Ökobilanz.

Es ist also nicht egal womit wir bauen. Die Klinkerschale eines herkömmlichen Massivbaus zum Beispiel benötigt allein etwa so viel nicht erneuerbare Primärenergie zur Herstellung wie ein strohgedämmtes Holzhaus insgesamt.

Am Ende des Lebenszyklus steht die Entsorgung oder besser die Wiederverwendung. Machen wir es einfach wie die Natur: im Kreislauf


So wird die Sache rund: Klimaschutz im Kreislauf

Mit Hilfe von nachwachsenden Baustoffen können der Atmosphäre heute große Mengen des klimaschädlichen CO2 entzogen werden. Am Ende des Lebenswegs kann das Produkt kompostiert oder thermisch verwertet werden und setzt das gespeicherte natürliche CO2 wieder frei.

Entscheidend ist: es werden im Gegensatz zur Nutzung fossiler Ressourcen praktisch keine zusätzlichen klimaschädlichen Gase in Umlauf gebracht.


Umweltwirkungen minimieren

Natürliche und nachwachsende Baustoffe punkten auch in vielen anderen Ökodisziplinen. Sie haben geringste Auswirkungen auf den Ozonabbau in der Stratosphäre, auf die Ozonbildung am Boden sowie die Versauerung und Überdüngung unserer Böden und Gewässer.


Energie sparen – Wärmedämmen

Die Fakten liegen klar auf dem Tisch: ohne hohe energetische Standards beim Gebäudebestand und beim Neubau kein zukunftsfähiges Deutschland! Wenn nach Ende der fossilen Energievorkommen alle Bundesbürger mit Holz heizen wollten, stünden bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung pro Kopf und Jahr nur ca. 0,5 m³ Brennholz zur Verfügung. Das würde für den Heizbedarf aller Deutschen reichen, wenn alle Wohneinheiten A+ bzw. Passivhausstandard aufweisen würden. Dieser hohe Dämmstandard dürfte technisch und gestalterisch bei vielen Bestandsgebäuden nur schwer zu erreichen sein.

Da regenerative Energien für den Heizbedarf im Winter neben Holz derzeit nur begrenzt zur Verfügung stehen gilt: So gut dämmen wie möglich!


Lebensentscheidung Bau(stoff)

Die Entscheidung beim Neubau über die Baustoffe, den Dämmstandard sowie über die Art der Heizung stellt in der Regel die ökologisch bedeutsamste Konsumentscheidung im ganzen Leben eines Menschen dar. Der Unterschied der CO2 Ausstöße (allein bedingt durch die Art der Baustoffe) kann für den Bau eines Einfamilienhauses bis zu 60 t betragen. Das entspricht ca. 500.000 km PKW Fahrleistung. Für viele die Lebensfahrleistung mit dem Auto.


Ökobilanzen im Vergleich

1. Ökologischer Vergleich von Neubauweisen

Natürliche und nachwachsende Baustoffe sind die erste Wahl!

Entscheidungen und Prioritäten

Wer neu baut, muss zwischen vielen Wünschen, Möglichkeiten und Anforderungen abwägen:

Was darf das Haus kosten? Wieviel Fläche wird gebraucht? Wie soll das Haus gestaltet sein? Welche Materialien sollen eingesetzt werden? Wie gut soll es gedämmt sein? Wie ökologisch soll es sein?

Was hat Priorität?

Um sich für eine Bauweise, also z.B. zwischen einem Holzhaus und einem gemauerten Haus zu entscheiden, ist es wichtig, deren ökologische Eigenschaften zu kennen.

Ökologischer Vergleich von Bauweisen

Wir vergleichen die Herstellungsökobilanz (nicht erneuerbarer Primärenergiebedarf PEne, Treibhauspotential GWP) von drei verschiedenen Holzbauweisen mit der herkömmlichen Massivbauweise am Beispiel eines durchschnittlichen zweigeschossigen Einfamilienhauses mit 150 m² Wohnfläche in der Effizienzklasse A+ nach Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2014.

Die Bauteile sind realistisch berechnet, die Darstellung hier erfolgt vereinfacht.

Bei den Holzbauweisen unterscheiden wir vorrangig zwischen dem eingesetzten Dämmstoff, variieren jedoch auch weitere Bauteile wie Decken, Innenwände und Fundament.

Bild / Poster
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Umwelt schonen und Klima schützen

Wer sich für konsequent für ökologische Baustoffe entscheidet, schützt das Klima und schont die Umwelt.

Aktiver Klimaschutz

Das Einfamilienhaus mit einem maximalen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen entlastet das Klima anstatt es zu belasten. Bei der Herstellung werden im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise wesentlich weniger klimaschädliche Gase (CO2-Äquivalent) emittiert. Der Unterschied beträgt bis zu 66 t, dies entspricht ca. 550.000 km Fahrt mit einem sparsamen Mittelklasseauto.

Energiesparen schon bei der Herstellung

Das Einfamilienhaus mit einem maximalen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen benötigt für seine Herstellung etwa nur halb so viel nicht erneuerbare Primärenergie wie das herkömmlich erstellte Einfamilienhaus. Dies entspricht einer Beheizung des Hauses von bis zu 123 Jahren mit regenerativen Energien.

Ergebnisse der Ökobilanzberechnung

Als Ergebnis der Bilanzrechnung lässt sich feststellen, dass ein konventionelles Haus mit zweischaligem Mauerwerk und Stahlbetondecken über 180.000 kWh nicht erneuerbare Primärenergie beim Bauprozess benötigt. Ein gleich gut gedämmtes Gebäude mit Holzrahmenbau und Zellulose gedämmt verbraucht dagegen unter 120.000 kWh nicht erneuerbare Primärenergie und ein Strohgedämmtes Gebäude weniger als 90.000 kWh. Für die Heizung eines solchen 150 m² großen sehr gut gedämmten Gebäudes könnte man das Holzständerhaus etwa 80 Jahre lang heizen und das Strohgedämmte Gebäude 120 Jahre lang. Der Unterschied im Energieverbrauch bei der Gebäudeerstellung ist erheblich. Schlecht schneiden vor allem gebrannte Ziegel, Stahlbeton, Mineralwolle, PVC und Polystyrol ab, während Holz, Zellulose, Hanf, Lehm oder Stroh sehr gut abschneiden.

Bei der Berechnung der klimaschädlichen Auswirkung des Bauprozesses ist ebenfalls ein sehr großer Unterschied in den Bauweisen festzustellen. Während ein konventionelles Haus bis auf den Dachstuhl aus Holz fast nur aus Baustoffen besteht, die das Klima belasten, wird bei Häusern, die weitgehend mit Naturbaustoffen gebaut werden sogar CO2 im eingebauten Holz, der Zellulose oder dem Stroh eingelagert. Der Unterschied zwischen einem konventionellen Massivbau und einem Holzrahmenbau oder einen strohgedämmten Gebäude macht ca. 60 t aus. Das würde mit einem modernen Mittelklassewagen für den CO2 Ausstoß von gut 500.000 km ausreichen. Die Entscheidung, sein Haus in konventioneller Massivbauweise oder mit Naturbaustoffen zu bauen, ist daher fast so relevant, wie die Entscheidung, sein Leben lang Auto zu fahren oder eben auch nicht.


2. Altbausanierung im ökologischen Vergleich

Wieviel Dämmung und welche Baustoffe?

Altbau: Gesundes, behagliches Zuhause?

Je nach Zustand und Altersklasse – ob Siebziger Jahre, Nachkriegsbau oder noch älter – nicht nur in Bezug auf Komfort und Wohngesundheit, sondern auch ökologisch gesehen müssen viele Altbauten dringend saniert werden.

Komfort verbessern und die Umwelt schonen

Die ökologischen Auswirkungen der Beheizung alter, schlecht gedämmter Gebäude sind immens.

Reicht eine einfache energetische Sanierung oder sollte man richtig viel dämmen? Ökologisch gesehen ist jeder Zentimeter zusätzliche Wärmedämmung sinnvoll und steigert den Wohnkomfort.

Garantiert zukunftsfähig: A+

Angesichts knapper Ressourcen sollte das Niveau der Effizienzklasse A+ nach Energieeinsparverordnung 2014 (<30 kWh Endenergie pro m2 und Jahr) angestrebt werden. Oft stehen so weitreichenden Dämmmaßnahmen jedoch baurechtliche oder gestalterisch kulturelle Gründe entgegen.

Bauen, egal womit?

Die ökologischen Auswirkungen der Herstellung von Baustoffen fallen sehr unterschiedlich aus. In jedem Fall werden Umwelt und Klima durch sie quasi auf einen Schlag belastet, während die Auswirkungen der Wärmeversorgung erst nach und nach wirken. Wirksamer Klimaschutz heute und in Zukunft bedeutet: Sowohl auf gute Herstellung als auch auf geringen Verbrauch zu achten.

Ökologische Fragestellungen

Wie hoch sind die ökologischen Vorteile einer besseren Wärmedämmung im Vergleich mit den ökologischen Auswirkungen der Baustoffherstellung? Welche Rolle spielt es, ob die Wärmeversorgung herkömmlich fossil mit Gas oder erneuerbar mit Sonne und Holz erfolgt?

Fossil vs. erneuerbar

Der ökologische Unterschied von herkömmlichen, fossilen zu natürlichen und nachwachsenden Ressourcen wird mit dem Ökokriterium Primärenergiebedarf, nicht erneuerbar (PEne) deutlich. Je geringer der Einsatz von endlichen fossilen Ressourcen (je mehr erneuerbar und nachwachsend, bei Beheizung und Herstellung) desto niedriger der Wert.

Vergleich von Ökobilanzen in der Altbausanierung

Lösungen im Vergleich

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Dämmmaterialien auf die Umwelt deutlich zu machen, werden die Ökobilanzen vom nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf (PEne) eines typischen Norddeutschen Massivbaus aus den 30 - 60er Jahren in drei Varianten verglichen. Dieser Bedarf wird dem, nach der Sanierung notwendigen, jährlichen Heizbedarf der Häuser gegenübergestellt.


Die Varianten:

Verglichen werden dabei 3 Varianten mit jeweils 120m² Wohnfläche großen Häusern:

  1. unsaniert (Heizbedarf von 30 Liter Heizöl je m²)

  2. einfache energetische Sanierung (Heizbedarf von 8 Liter Heizöl je m²)

  3. gute energetische Sanierung - A+ Standard (Heizbedarf von = 3 Liter Heizöl je m²)

Wir haben dabei nur den nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf für die Erzeugung und Einbau der benötigten Dämmstoffe berechnet, für den Boden, die Außenwand und das Dach.

Dabei haben wir die 3 Dämmstoffvarianten: Zellulose (und Blähglas in der Außenwand), Mineralfaser und Polystyrol verglichen. Tatsächlich ließen sich mit den drei Varianten die beschriebenen Dämmungen vornehmen und werden auch so in der Praxis ausgeführt.

Nicht berechnet haben wir den Zusatzaufwand, der an einigen Stellen konstruktiv nötig ist, um die Dämmungen vornehmen zu können. Beim Fußboden wird niemand direkt auf Polystyrol oder Zellulose laufen wollen. Polystyrol wird üblicherweise mit einem Zementestrich kombiniert, während Zellulose mit einer Vollholzkonstruktion kombiniert wird. Würde man diese notwendigen Bestandteile ebenfalls bilanzieren, so wäre der Primärenergieverbrauch insgesamt noch deutlich höher und die Naturbaustoffe würden noch deutlich besser abschneiden.

Allein beim Vergleich der verschiedenen Dämmstoffe in der Sanierung ergibt sich folgendes Bild in Bezug auf deren nicht erneuerbaren Primärenergieaufwand:


oekologisches bauen primarenergieaufwand.png


*Erläuterungen zu den verglichenen Sanierungsvarianten:

Zellulose: Zellulose in Dach, in Sohle und vor Außenwand

Blähglas/Zellulose: Zellulose in Dach und Boden, Blähglas in Luftschicht zwischen Mauerwerk

Mineralfaser: Mineralfaser in Dach, in Sohle, sowie als WDVS vor Außenwand

Polystyrol: Mineralfaser in Dach, Polystyrol in Sohle,sowie als WDVS vor Außenwand



oekologisches bauen loesungen vergleich.png


Die Ergebnisse:

  1. Die energetische Sanierung eines Nachkriegsbaus lohnt sich ökologisch gesehen auf einfaches als auch auf hohes Niveau, selbst wenn herkömmliche Baustoffe eingesetzt werden.
  2. Wenn der Einsatz von fossilen Energieträgern toleriert wird, amortisieren sich primärenergetisch sogar die herkömmlichen, unökologischen Dämmvarianten in kurzer Zeit.
  3. Zu insgesamt guten, nachhaltigen Ergebnissen kommt nur, wer sowohl gut dämmt (A+), erneuerbar heizt als auch nachwachsend baut:


  • Polystyrol ist ca. 15 mal energieaufwändiger in der Herstellung als Zellulose.
  • Mit dem Aufwand für Herstellung A+ mit Polystyrol ließe sich der Bau 50 Jahre mit erneuerbarer Energie heizen. Bei Zellulose nur 5 Jahre.
  • Bei der einfachen Sanierung ließe sich der Bau mit der Herstellungsenergie für Polystyrol ca. 11 Jahre regenerativ Heizen, bei Zellulose nur 9 Monate.
  • Genug Brennholz zum Heizen aller Wohnungen in Deutschland gibt es nur bei A+ Standard.

Die beste Variante:

Viel dämmen

+ erneuerbare Energien

+ nachwachsende Baustoffe!

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